Digital oder analog?

Nach längerer Stille starte ich eine Idee, die schon länger durch den Kopf geht: eine Sammlung von allgemeinen Gedanken zum Thema Modelleisenbahn.
Ich nenne das Ganze einfach mal Mondbahners Kolumne…

Erstes Thema: Digital oder Nicht?
Beim Durchlesen eines einschlägigen Heftchens der Szene stieß ich auf eine Umfrage zum Thema: wie halten Sie es mit der Digitalisierung?
Die Antworten überraschten mich doch ziemlich. Eine große Zahl der Beiträge war sehr skeptisch. Tenor: wir sind Modellbahner und keine Nerds! Nun sind Modelleisenbahner im großen und ganzen wohl eher konservativ, aber die hier zu lesenden Vorbehalte wirkten eher etwas hilflos.
Da wurde die zu tätigende Investition als zu groß kritisiert und kurz danach das neue (preisliche) HighEnd-Lokmodell als Pflichtkauf bewertet. Und während bei letzterem der Anspruch an die vorbildgetreue Wiedergäbe kaum zu befriedigen ist, bleiben die Wünsche nach einem vorbildlichen Zugbetrieb eher verhalten.
Schade!
Selbstverständlich entscheidet auch beim schönsten Hobby der Welt jede(r) selbst wofür sie/er sein Geld investiert – was auch sonst.
Aber der Hinweis auf die vertanen Chancen sei trotzdem gestattet: vorbildlicher Zugbetrieb ist (mit vernünftigem Aufwand) nur bei einer digitalisierten Anlage möglich!
Diese Erkenntnis ist spätestens fällig, wenn man das gefühlt 269tigte Relais mit der dazugehörigen analogen Schaltgruppe verlötet und die Antwort auf die Frage „Welches Hobby betreiben Sie da jetzt: Modelleisenbahn oder Fingerverbrennen?“ nicht mehr ohne Überlegen parat hat.
Warum also solange in die falsche Richtung loslaufen? Vielleicht weil man die richtige noch nicht gefunden hat?

Wer also wohin?
Typ I – „Der Rundenfahrer“
Er freut sich am Rattern des Zuges, am Klack..klack…….klack..klack beim Überfahren der Weichenstraßen. Sein Zug fährt von Paris nach Wien oder von Knödlingen nach Bad Freierswalde. Was er an Gestaltung oder Technik nicht hat, wird durch Phantasie ersetzt! Es soll einfach Spaß machen und das tut es…..
Für ihn wäre jeder digitale Aufwand einer zuviel, er spart nichts, denn er treibt auch keinen analogen Aufwand. Wenn eine Lok nicht mehr benötigt wird, greift er beherzt in’s Gleisbett und stellt sie neben die Gleise. Das Depot dazu ist in seinem Kopf. Lassen wir ihn träumen – er macht (solange es ihm Spaß macht) alles richtig!

Typ II – „Der Nietenzähler“
Er bewundert die vorbidliche Ausführung des Modells vor ihm. Ein falscher Indusi-Magnet an der falschen Stelle frustet ihn total und wenn die Pufferbohle 2 mm zu weit auschwenkt ist dieses Modell ein NO-Go!
Er ist eigentlich im Kern seines Herzens ein Modellbauer und kein Bahner. Ein perfekter Nachbau des Schlachtschiffs „Bismark“ würde ihn genauso begeistern, nur passt das nicht maßstäblich in seinen Karpfenteich.
Digital mach für ihn wenig Sinn, denn es trägt nichts zu Maßstäblichkeit bei. Lassen wir auch ihn weiterträumen…

Typ III – „Der Betriebsbahner“
Er sieht seine Modelleisenbahn als vernetzte System-Abbildung. Seine Züge fahren nach einem Fahrplan, sie bringen Güter zum Kunden, Schüler zur Schule und Familien in den Urlaub. Die Zugbildung spiegelt sich an diesen Anforderungen und entspricht im Kern dessen, was auch in „Groß“ zu beobachten ist. Er ist (manchmal unterstützt durch familieäre Hilfskräfte) vom Bahndirektor bis zum Weichenmechatroniker meist alles in einer Person.

Wenn Sie sich auch nur ansatzweise in Typ III sehen – dann wird es höchste Zeit über Digital nachzudenken.
Und wenn Ihre Züge dann noch in H0 auf Punktkontaktgleisen unterwegs sind, dann gibt’s schon gar kein grundsätzliches Nachdenken mehr. Denn dann warten viele Komponenten bereits auf Ihr digitales Konzept.

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