Vorbild

Wer “Splügenbahn” als Begriff bei einer grossen Internet-Suchmaschine eingibt, der staunt nicht schlecht: Fast 400 Einträge werden für eine Bahnlinie ausgeworfen, die nie gebaut wurde.

Dies mach deutlich, welche Bedeutung dieses Projekt hatte, dass es bis heute so präsent ist.
Bereits 1851 (also nur 3 Jahre nach Eröffnung der ersten Bahn der Schweiz überhaupt) tauchten Pläne für alle möglichen Alpenverbindungen auf – genannt wurden vor allem Grimsel und Splügen – vom Gotthard (der bis heute wichtigsten Alpenbahn) sprach (noch) niemand.

Besonders aktiv war hier der Bündner Kantonsingenieur Richard La Nicca: seinen ersten Plan für eine Splügenbahn veröffentlichte er sogar schon 1839!

Geworden ist sie trotzdem nichts – zu schwergewichtig waren die Interessen der Geldgeber, die die etwas kürzere Gotthardbahn favorisierten. Insbesondere der Zürcher Industrie- und Eisenbahnmagnat Alfred Escher sorgte mit seinem Einfluss für den Erfolg des Gotthards bei der Wahl der Trasse.

Übersicht über die geplanten Alpenbahnen

Die obige Karte von 1925 zeigt zahlreiche Bahnprojekte dieser Zeit. In Blau die Splügenbahn – der Abschnitt zwischen Thusis und Andeer ist der, in welcher die FerroViaMala unterwegs ist.
(Quelle der Karte: Schweizerisches Landesmuseum ergänzt um eigene Darstellung)


Im 1923 erschienenen Standardwerk: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens von Dr. Freiherr v. Röll finden wir dazu:

Splügenbahn (Schweiz) bezeichnet den Plan einer Ostalpenbahn, für den die beteiligte Ostschweiz zuerst eingetreten ist und an dem der Kanton Graubünden auch jetzt noch festhält. Die Alpenbahnbestrebungen der Ostschweiz traten als erste mit einem bestimmten Plan in den Vierzigerjahren des verflossenen Jahrhunderts auf und stehen heute noch vor der ungelösten Frage, welchem der Erfolg zuteil werden soll (Greina oder Splügen).
Mitte des neunten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts begann das Interesse für eine allen Anforderungen einer großen Transitlinie entsprechende S. wieder zu erwachen. Es entstand das Splügenbahnprojekt von Oberingenieur Moser von 1890 mit einem Alpentunnel von 18 km Länge, einem Scheitelpunkt von 1156 m ü.M. und einer Höchstneigung von 26‰.
Im Jahre 1897 fand dann in der Schweiz der Übergang vom Privatbahn- zum Staatsbahnsystem statt (s. Schweizer Eisenbahnen, Bd. VIII). In dem bezüglichen Gesetz wurde die Förderung einer Alpenbahn im Osten der Schweiz neuerdings zugesichert. Dagegen neigten nun die Bundesbahnen in vermehrtem Maße dem Projekt der verbesserten Lukmanierbahn, d.h. der Greinabahn zu, das, vom Kanton Tessin aufgestellt, nun gegenüber dem alten und neuerdings verbesserten Splügenprojekt in den Vordergrund trat.
[Lexikon: Splügenbahn. Zeno.org Sonderband: Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, S. 14509
(vgl. Röll-Eisenbahnwesen Bd. 9, S. 109-110)]

 

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