Kursbücher? Kursbücher!!

Am letzten Sonntag war Fahrplanwechsel bei den meisten europäischen Eisenbahnen und damit fällt der Fokus auch wieder auf ein Informationsmedium, welches scheinbar ausgedient haben soll: das Kursbuch.

Also das Buch, in dem alle Abfahrtszeiten und alle Orte in übersichtlichen Tabellen dem Fahrgast bekannt gemacht werden bzw. wurden. 1845 gab der Fürstlich Thurn und Taxischen Oberpostamts-Sekretär Hendschel seinen ersten Telegraphen heraus, ein Handbuch, welches die Fahrpläne der Eisenbahnen, Postkurse oder Schiffe enthielt und damit eine Übersicht über die Reisemöglichkeiten ermöglichte. 1873 folgte der erste Cook’s Continental Time Table. Hier fanden die Leser Fahrplaninformationen aus ganz Europa, ja später sogar weltweit.

Mit der weiteren Entwicklung der Verkehrssysteme wurden diese Bücher natürlich immer umfangreicher und mit der steigenden Reisefreudigkeit auch immer populärer. Auflagen von über 100.000 Exemplaren waren normal und häufig auch relativ schnell verkauft.

Ab der Jahrtausendwende bekam der gedruckte Fahrplan zunehmend Konkurrenz: elektronische Fahrplanauskunftssysteme übernahmen die Suche nach der besten Verbindung und ermöglichten dem interessierten Fahrgast die Bereitstellung der Informationen viel schneller und bequemer. Und damit sank die Bedeutung der gedruckten Bücher kontinuierlich.

Weg damit dachten sich inzwischen zahlreiche Eisenbahnen – so stellten die SNCF 2007, die DB 2009, die ÖBB 2012 und selbst die SBB 2017 die Produktion der gedruckten Fahrplanbücher ein. Als Begründung wurden stets die gleichen Punkte angegeben: Nicht mehr zeitgemäß, zu aufwändig, zu unpraktisch…

Ist das so?

Nicht alle Interessierten wollten sich damit zufrieden geben und suchten nach Alternativen. Für das schweizerische Kursbuch 2018 fand sie sich in der Zusammenarbeit VCS/IGÖV/Pro Bahn Schweiz.

Für einen Preis von 19,- CHF wird es in einer Auflage von 15’000 Exemplaren an 30 Verkaufsstellen an Bahnhöfen und beim VCS verkauft. Das Format wurde auf 12,7 zu 17,5 cm reduziert und auf Busfahrpläne verzichtet. Das Gewicht des nur noch einbändigen Kursbuchs sinkt somit von 2’700 Gramm der bisherigen Gesamtausgabe auf 900 Gramm.

Denn wie hat es Hans Meiner als Mitinitiator so treffend formuliert: Die Benutzung eines öffentlichen Verkehrsnetzes ohne Kursbuch gleicht dem Autofahren ohne Strassenkarte oder dem Wandern ohne Wanderkarte.

Und Strassen- oder Wanderkarten sind auch noch nicht einfach so verschwunden.

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