1994 – 1996 stellte die FS – Trenitalia 40 neue Schnellzug-E-Loks mit einer Dauerleistung von 5200 kw und einer Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h in Dienst, die die Baureihenbezeichnung E402A erhielten und als als E402 006 bis E402 045 in den Fahrzeugpark eingereiht wurden.

Die Loks sind schwerpunktmässig in Norditalien beheimatet und bespannen dort zahlreiche hochwertige Reisezüge.
Die Maschinen verfügen über eine UIC-Wendezugsteuerung und werden daher auch mit IC-Pendelzügen eingesetzt.

E402A in Venezia

Aktuell auf dem Markt ist jetzt auch ein sehr schönes H0-Modell dieses Vorbildes.
Es wird vom italienischen Anbieter A.C.M.E hergestellt und entspricht zeitgemässen Anforderungen vorbehaltlos.
Ein 5-poliger Motor sorgt mit zwei Schwungmassen für seidenweichen Lauf; der Zinkal-Rahmen und viele andere Details der Konstruktion entsprechen dem, was andere bekannte Hersteller (z.B. Roco) in ihren aktuellen Modellen verwirklicht haben.

Einziger ‘Wermutstropfen’: das Modell ist nur als 2-Leiter-Gleichstrom-Variante erhältlich.
So muss für die Mittelleiter-Fans die eigene Werkstadt ran. Der Aufwand hält sich für geschickte Hände in engen Grenzen: ca. 30 Minuten und 1 Flüsterschleifer (z.B. Roco 40065) später ist man am Ziel!
Notwendig sind noch ein Lötkolben (Max. 40 Watt) und feine Zangen bzw. Schraubendreher.

Das Modell der E402A von A.C.M.E.

Als erstes muss dazu das Modell zerlegt werden, was aber keine Probleme hervorruft.
Mit etwas Ruhe lässt sich das passgenaue Gehäuse (wie in der mit gelieferten Anleitung beschrieben) durch leichtes Abspreizen nach oben abnehmen.
Die im Chasis sichtbaren Schrauben müssen dazu nicht gelöst werden. Auch die Puffer u.ä. müssen nicht demontiert werden – allerdings werden in der Kombination Gehäuse/Puffer die Schienenräumer gehalten, so dass diese eventuell bei der Demontage mit abfallen.
Nach einem kurzen Augenblick kann man einen beruhigten Blick auf das ansprechende Innere des Modells werfen.

Danach müssen die Drehgestellblenden, sowie die Nachbildung der Tiefzugeinrichtung entfernt werden.
Hier zeigt sich der Ideenreichtum der Konstrukteure: die Blenden sind jeweils von aussen auf die Drehgestelle aufgesteckt (auf den mit dem blauen Pfeil markierten Stiften sitzend) und können problemlos abgezogen werden.
Danach sieht das Drehgestell so wie auf unserem Foto aus.

Jetzt ist es möglich die untere Lagerplatte durch Abspreizen der Haltezapfen mit einem feinen Schraubendreher zu lösen.
(grüner Pfeil)
Hier ist etwas Feingefühl angebracht, da sonst eventuell die Plastikrast-Verbindungen wegbrechen könnten.

Wenn man die Drehgestell-Bodenplatte gelöst hat ist das (Zwischen-)Ziel nicht mehr weit.

Nun entfernen wir an dem vorgesehenen ‘Flüsterschleifer’ die dortige Kunststoffplatte durch Aufspreizen der metallenen Befestigungszapfen. Die 4 Zapfen werden mit einer feinen Zange senkrecht zum Schleifstück gebogen.

Nun justiert man den Schleiferträger so, dass er in allen Ebenen mittig zur Drehgestellplatte zu liegen kommt.

Danach sorgt ein behutsames Erwärmen der Schleifergundplatte mit dem Lötkolben dafür, dass die 4 senkrechten Schleiferzapfen den Kunststoff der Drehgestellplatte durchdringen und sich so einen festen horizontalen Halt suchen.

Die durch die Kunststoffplatte ragenden 4 Zapfen können jetzt problemlos durch Umbiegen auch den sicheren vertikalen Halt des Schleifers sicherstellen.

Diese (etwas brachiale) Methode der Schleiferbefestigung ist bei sorgfältiger Durchführung problemlos, da ein Wechseln der Schleiferbefestigung zu Wartungszwecken beim ‘Flüsterschleifer’ nicht notwendig ist und eventuelle Antriebszahnräder nicht tangiert werden.
So sorgt diese Methode auf dafür, dass der Allachsantrieb (entgegen vieler sonstiger Mittelleiter-Modelle) erhalten bleibt, was der Zugkraft der Maschine sehr zu Gute kommt.

Danach kann mit der Wiedermontage des Drehgestells begonnen werden.

Die Kunststoffbodenplatte (mit Schleiferaufhängung) wieder in die vorgesehene Lage im Drehgestell bringen und einrasten.

Sobald das Drehgestell wieder in seinen Grundfunktionen einsetzbar ist, sollte ein kurzer Test bezüglich der ‘geometrischen’ Funktionsfähigkeit erfolgen.

Besteht eine auch auf Weichen ausreichende Bodenfreiheit?
Kann das Drehgestell problemlos dem Weichenradius folgen?
Sind irgendwelche sonstigen Schwachstellen merkbar?

Da unser Modell diese Tests noch nicht aus eigener Kraft machen kann, muss es sehr vorsichtig mit der Hand des Werkstattmeisters bewegt werden. Bedingt durch den hohen Haftreibungswert der Konstruktion kann es dabei zu Entgleisungen kommen, die aber nichts mit unserem Umbau zu tun haben. Hier ist etwas Fingerspitzengefühl gefordert! Ausserdem empfiehlt es sich, das Drehgestell bei den Versuchen ganz leicht anzuheben.

Sind die Tests erfolgreich gewesen, dann folgt der Gang in die Elektrowerkstatt.
Dankenswerterweise haben die Konstrukteure des Modells auch hier saubere Arbeit ‘hingelegt’, so dass sich das Löten auf wenige Punkte beschränkt.
Zuerst sind die bisherigen Kabelverbindungen der Radschleifer auf der Seite, an der das Kabel des Schleifers hochgeführt wurde, zu lösen und auf der gegenüberliegenden, äussersten Leiterbahn anzulöten.

Danach kann das Schleiferkabel an die äusserste Leiterbahn der freigewordenen Seite angelötet werden, so dass die eine Seite nur noch Kontakt zum Schleifer und die andere nur noch Kontakt zu allen Radflächen hat.
In die vorhandene 8-polige Schnittstelle wird jetzt nur noch entweder ein passender Analog-Umschalter (z.B. von Roco) oder ein Digitaldecoder des jeweils benutzten Systems eingesetzt.

Jetzt sollte ein kurzer Funktionstest sicherstellen, dass die bisherigen Bemühungen nicht vergeblich waren.
Da die Fehlermöglichkeiten eigentlich minimal sind, sollte sich das Modell auch in der neuen Umgebung problemlos die ersten Zentimeter bewegen.
Falls nicht, sollten sie ggf. die Verbindungen oder den Elektronic-Baustein prüfen.

Wenn das Modell fahrfähig ist, kann es mit der Montage der Drehgestellblenden so weitergehen, dass diese die Schleiferaufhängung problemlos umfassen.

Jetzt ist das Endziel so gut wie erreicht:
Das Drehgestell ist wieder komplett – das Gehäuse kann aufgesetzt werden.
Probleme mit dem neuen Electronic-Baustein sollte es dabei nicht geben, da in der Dachkonstruktion des Modells im Mittelteil genügend Platz vorhanden ist.
Sobald das Gehäuse sitzt, müssen ggf. nur noch die Schienenräumer neu befestigt werden. Dazu ist es sinnvoll die Puffer ca. 2-3 mm nach vorne zu ziehen, den Räumer in den entstandenen Zwischenraum zu plazieren und die Puffer danach vorsichtig zurück zu bewegen. Bei korrekter Justierung geht das leichtgängig und sorgt für entsprechenden Halt der Räumer.

Jetzt kann unsere Maschine die Werkstätte verlassen und in den Betriebsdienst zurückkehren! 🙂

Hier der erste Einsatz des neuen ‘Paradepferdes’:
Vor einem internationalen Nacht-Schnellzug werden die Gebirgsstrecken der FerroViaMala problemlos gemeistert.

Dank des erhalten gebliebenen Allachsantriebes ist das Modell sehr zugkräftig und stellt eine sehr willkommene Ergänzung des Fuhrparks dar.

Wir hoffen, dass es auch Ihnen gelingt, dieses schöne Modell auf ihrem Wechselstrom-Netz zum Einsatz zu bringen – für Anregungen oder Fragen schreiben Sie bitte einen Kommentar

Achtung:
Es haben mich verschiedene Zuschriften erreicht, wonach das Modell auf M-Gleisen/Weichen Probleme bereitet und nicht entgleisungssicher fährt. Dies hängt mit den unterschiedlichen Radsatz- bzw. Gleisparametern zusammen.
Mein Modell ist auf K- und C-Gleisen unterwegs und macht dabei keinerlei Probleme.